Impuls zum zweiten Advent
Ein*e Pfadfinder*in lacht und pfeift in allen Lebenslagen!

In seiner ursprünglichen Version des Pfadfinderinnengesetzes hat BP uns aufgetragen, dass wir in allen Lebenslagen lachen und pfeifen sollen. Natürlich ist das nicht wörtlich gemeint. Insofern ist es vielleicht verständlich, dass die DPSG in ihrem Pfadfinderinnengesetz stattdessen schreibt: „Als Pfadfinderin mache ich nichts halb und gebe auch in Schwierigkeiten nicht auf.“
Doch ich finde, in dieser Version geht etwas Entscheidendes verloren. BP fordert von uns mit diesem Gebot nicht nur, dass wir nicht aufgeben. Es geht ihm um eine grundsätzliche Lebenseinstellung. Es geht ihm um Optimismus, Freude und Zuversicht, egal was kommt.
Aber warum war BP diese Zuversicht so wichtig, dass er sie als Gesetz formuliert hat? Wie wir auf die Welt blicken, bestimmt stark, wie wir uns fühlen und wie wir handeln. Wir haben es selbst in der Hand, ob wir uns über Dinge stundenlang aufregen und uns selber den Tag damit vermiesen. Aber vor allem hat unser Blick auf die Gegenwart Konsequenzen für die Zukunft. Der Soziologe Robert K. Merton hat in einem berühmten Aufsatz ein Gedankenspiel vorgestellt, das er die „selbsterfüllende Prophezeiung“ genannt hat. Angenommen, es verbreitet sich grundlos ein Gerücht, dass die örtliche Bank zahlungsunfähig ist. In Panik versuchen die Einlegerinnen ihr Erspartes zu retten, indem sie ihr Geld abheben. Da die Bank aber nicht genug Bargeld hat, um alle ihre Kundinnen auf einmal auszuzahlen, wird die Bank tatsächlich zahlungsunfähig. Wenn wir also glauben, dass alles den Bach runtergeht, dann werden wir auch nichts dafür tun, dass es besser wird, und es wird tatsächlich schlechter.
Optimismus und Zuversicht sind keine Garantie, dass sich Dinge so verändern, wie wir es gerne hätten. Aber mit Pessimismus wird es definitiv nicht besser. Es mag nicht immer einfach sein, lachend und pfeifend durch das Leben zu gehen. Veränderungen brauchen Mut, sie brauchen lange, und verschiedene Menschen haben unterschiedliche Vorstellungen von einer guten Zukunft. Aber wir dürfen nie der Meinung sein, dass wir lieber den Kopf in den Sand stecken. Selbst daran zu arbeiten, dass es weniger schlecht wird, lohnt sich!
Vor allem für uns Gruppenleiterinnen ist diese Zuversicht entscheidend. Wenn wir nicht der Meinung wären, dass sich unsere Zeit und Arbeit für Kinder und Jugendliche lohnt, warum machen wir das Ganze? Wenn sowieso für die Zukunft Hopfen und Malz verloren sind, wozu erziehen wir Kinder und Jugendliche zu selbstbestimmten und selbstbewussten Erwachsenen? Wie können wir es vertreten, dass wir uns für andere Menschen einsetzen und es von unseren Gruppenkindern fordern, wenn sowieso alles sinnlos ist? Wie könnten wir sonst ein gutes Vorbild sein?
Wir investieren in die Zukunft, wir setzen uns für die Kinder und Jugendlichen in unseren Stämmen ein. Wir möchten, dass sie sich wiederum für andere einsetzen. Wir sollten zuversichtlich sein, dass sie das auch tun werden. Wir fördern junge Menschen und setzen uns ein, damit sich in ihrer Generation wieder junge Menschen für andere einsetzen, welche sich wiederum für andere einsetzen. Wir sind Teil einer Lawine, die auf ihrem Weg ins Tal immer mehr Schnee mitreißt und die immer stärker wird.
Pfadfinderleiter*innen sind unverbesserliche Optimisten.
